Das kann ich auch

MODERNE KUNST ZUM SELBER MACHEN UND ÜBERZIEHEN

In dem Film „Ziemlich beste Freunde“ demonstriert Omar Sy als Krankenpfleger Driss sehr anschaulich, auf welch einfachem Weg praktisch jeder von uns Normalsterblichen zum international gehandelten Künstler werden kann. Sein Arbeitgeber Philippe hegt eine Faszination für abstrakte Malerei, während Driss beim Rundgang in einer noblen Pariser Galerie unverblümt das ausspricht, was wir uns doch alle beim sonntäglichen Museumsausflug nur allzu häufig im Geheimen denken: ein paar bunte Kleckse auf eine Leinwand setzen – also wirklich, das kann ich auch. Gesagt, getan: in einer der letzten Filmszenen verkauft Philippe einem befreundeten Sammler das wahrlich gelungene DIY-Kunstwerk seines Pflegers für sagenhafte 11 000 Euro.

Das kann ich auch!, hat sich in dieser Sommersaison wohl auch Phoebe Philo gedacht und für Céline eine Kollektion mit farbbeklecksten Kleidern und abstrakt bemalten Blusen entworfen. Die Stücke kosten zum Glück etwas weniger als 11 000 Euro, aber trotzdem will ich nicht einsehen, wieso ich mir solch ein Kleckshemd im Laden kaufen sollte, wenn ich es mir mithilfe eines Burda-Schnittmusters und Textilfarbe auch ganz simpel selbst schneidern kann. Wir befinden uns damit im DIY-Level zweiten Grades: Céline imitiert moderne Kunst, ich wiederum imitiere Céline. Großartig.

Die Kimonobluse Modell Nr. 117 eignet sich für dieses Projekt ganz hervorragend. Man verwende dafür einen klassischen weißen Hemdenstoff aus Baumwolle.  Wir arbeiten also munter und brav alle Bastelschritte ab und fügen am Ausschnitt noch einen Reißverschluss ein – der Zipper ist essentiell, wir wollen ja nah am Céline-Original bleiben.
Bei solch minimalen Änderungen ist die Kimonobluse erstaunlich schnell genäht und das Ergebnis so überraschend schick, dass es einem in der Tat doch ein bisschen schwer fällt, das blütenweiße Stück nun mit Farbe und Pinsel zu attackieren. Die Gefahr, in der beklecksten Bluse wie ein Landstreicher auf Arbeitssuche auszusehen, ist schließlich nicht zu unterschätzen. Zu selbstgemacht soll es auch nicht aussehen. Ich habe an dieser Stelle ernsthaft einen Kurswechsel erwägt und einen anderen Runwaylook mit unbemaltem Hemd zu finden versucht – schließlich ist das hier ja eine Laufsteg-Nachbastel-Kolumne und keine Haushaltsanleitung zum Kittelnähen.

Aber dann packte mich doch der Ehrgeiz. Nur Mut! Zur Erinnerung: was Jackson Pollock und Phoebe Philo können, das können wir auch! Man greife also beherzt zum Pinsel und kleckse fröhlich drauf los, bloß nicht zu viel darüber nachdenken. Nur die Folie als Unterlage zwischen Vorder- und Rückteil sollte man nicht vergessen, sonst drückt die Farbe durch und das wäre nicht schön. Am besten fängt man zum Üben mit der Rückseite an, wenn die Kleckse hier nicht optimal gelingen, ist es nicht ganz so tragisch. Anschließend alles gut trocknen lassen und mit dem Bügeleisen fixieren. Jetzt warte ich nur noch auf die erste Modefreundin, die mich kreischend begrüßt: „Du hast die Céline-Bluse! Woher!?!“
Oder den ersten Bekannten, der mich höflich auf die Flecken auf meinem Hemd hinweist.

Zur detaillierten Anleitung geht es hier entlang. Hose: Weekday Collection. Sandaletten: & Other Stories

  • Das ist richtig gut!!! Danke für die inspiration!
  • Oh wie cool!
    Dein Schreibstil ist so erfrischend nett- gefällt mir wirklich sehr sehr gut!
    Viele liebe Grüße!
  • deine diy-kopie der bluse ist wirklich extrem nah am original dran. großartige arbeit! auch wenn die bluse nicht meinen geschmack trifft, hast du mich überzeugt.
  • Anonym
    sieht toll aus! und das kann man dann doch gleich mit viel besserem gewissen tragen ,als das zara dupe 😉 (das problem bei sowas ist ehr, das 80% der leute an denen man vorbei läuft, keinen schimmer von haben "was" man da trägt) LG
  • super
  • Super gelungen! Ich finde es gar nicht so wichtig, ob das nun als Céline-Kopie erkannt wird. Einfach an sich eine schöne Bluse!
  • Sieht einfach unverschämt gut aus!
  • naaa… und haste dein Meisterstück schon verkauft 😉