Die Klacker

WANN HAT DER HIGH HEEL EIGENTLICH SEINEN GUTEN RUF VERLOREN? 

In dem kanonischsten aller Lehrfilme der Modewelt, „Der Teufel trägt Prada“, bringt Hauptfigur Andrea einen interessanten Begriff ins Gespräch: die „Klacker“. Wer sind die Klacker? Das sind diese Frauen, die mit den Absätzen ihrer High Heels über den Marmorboden des Verlagshauses marschieren. Klack-klack-klack-klack-klack!

Die Klacker erinnern mich an meine Mutter, die mich früher gelegentlich zu spät vom Kindergarten abholte. Schon nach fünf Minuten Verzug saß ich gekränkt und besorgt auf den Stufen des Kindergartenhauses, im Geiste bereits die schreckliche Vision meiner Mutter unter einem LKW vor Augen. „Da kommt sie doch schon“, sagte die Kindergärtnerin dann. Keine Maman in Sicht. Aber ein lauter werdendes Geräusch – klack-klack-klack-klack-klack. Tatsächlich: da bog sie mit geräuschvollem Stechschritt und spitzen Absätzen unter den Füßen um die Ecke. Die anderen Mütter trugen flache Schuhe. Meine Maman, die beste von allen, war die Diva. Vielleicht kann ich meine Vorliebe für High Heels deshalb, wie so vieles, auf meine Mutter schieben. Eine Frau in hohen Schuhen ist für mich Sinnbild weiblicher Souveränität.

Das sehen viele Leute allerdings ganz anders. High Heels genießen in unserer nordeuropäisch diskreten Gesellschaft keinen guten Ruf. Die Frau in High Heels ist immer die große Windmacherin mit Aufmerksamkeitsdefizit und übertriebenem Geltungsbedürfnis. Wer läuft schon den ganzen Tag auf spitzen Absätzen herum, ohne dazu gezwungen worden zu sein? Eine Frau in High Heels muss doch gestört sein. Ich meine gar beobachtet zu haben, dass Frauen in High Heels weniger ernst genommen werden. Die Frau in High Heels ist eine Tussi, die sich den ganzen Tag über Nagellackfarben und Haarshampoodüfte Gedanken macht. Die Frau in Sneakern ist cool. Und cool wollen ja heute alle sein.

Wann kam eigentlich der Imageverlust des High Heels? Wurde er einfach vom Sneaker verdrängt? Oder gezielt als vulgär und unemanzipiert abgestempelt? Es ist ja nicht gerade so, dass die Designer nicht genug schöne High Heels entwerfen würden. Bloß findet sich zumindest in Deutschland so gut wie keine Frau, die die auch wirklich anziehen will. Und wenn sie es doch tut, dann wird daraus ein Staatsereignis. Gelegentlich lese ich auf Blogs eigentlich kluger und selbstbewusster Schreiberinnen Sätze wie: „Premiere: ich trage High Heels!“, oder „Oh mein Gott, es ist passiert: ich habe mir High Heels gekauft.“

Viele Frauen scheinen sich immer gleich dafür entschuldigen zu wollen, wenn sie mal gewagt haben, irgendwo in hohen Schuhen aufzutauchen. „Ui, total overdressed, sorry“ – oder „Hab‘ den, äh, Dresscode wohl nicht ganz befolgt, hihi“ heißt es dann, als wäre das Laufen auf High Heels ein Verstoß gegen die Sittlichkeit. Frauen in Sneakern müssen sich nie entschuldigen. Nicht mal dann, wenn sie in ihren jahrzehntealten Converse-Tretern in ein Gourmetrestaurant gestapft sind. High Heels bedeuten immer Aufwand, Sneaker authentische Lässigkeit. Nach Aufwand will heute keine Frau aussehen, denn eine aufwändig gekleidete Frau entlarvt sich als eine, die über ihre optische Wirkung nachdenkt. Vom gelegentlichen Nachdenken über das eigene, mit Aufwand betriebene Aussehen schließen viele Leute schnell auf Narzissmus. Der High Heel, so die Auffassung, sei demnach ein Schuh für Narzisstinnen.

Zeig mir Deine Füße, und ich sage Dir, wer Du bist: an dem Duell Klacker vs. Sneaker lässt sich die nachhaltige Strahlkraft mancher zunächst profan wirkender Entscheidungen sehr gut erkennen. High Heel oder Sneaker, wer diese Wahl trifft, entscheidet sich für Drama oder Bequemlichkeit, also für zwei völlig konträre Lebensentwürfe. Die Frage ist bloß: warum wird das eine ständig verurteilt, während das andere als selbstverständlich gilt? Wieso kann ich meine hohen Schuhe nur auf der Modewoche in Paris anziehen? Warum haben die Deutschen solch ein Riesenproblem damit, wenn man sich mal der Ästhetik zugunsten unbequem anzieht?

Tatsächlich ist ein guter, formschöner High Heel immer schmeichelhafter als ein Sneaker. Sobald eine Frau in hohe Schuhe steigt, verändert sich ihre Silhouette zu einem geschmeidigen S, der Po schiebt sich nach hinten, die Brust nach vorn, der Rücken ist gerade. Es wäre auch Humbug zu behaupten, dass man in High Heels nicht laufen kann. Ein hochwertiger Schuh hat einen stabilen Absatz und ein gepolstertes Fußbett. Die Nummer 1 in Sachen Bequemlichkeit bleibt natürlich der Sneaker. Aber muss denn im Leben immer alles so urbequem sein? Eine Frau, die hohe Schuhe trägt, darauf gut laufen und dabei noch lächeln und eine intelligente Unterhaltung führen kann, ist doch ungleich beeindruckender als eine Frau in Turnschuhen. High Heels symbolisieren Disziplin, Selbstbewusstsein, Selbstachtung und Willenstärke. Wer Frauen in High Heels verurteilt, der verurteilt auch Frauen mit diesen Charaktereigenschaften.

Und was ist nun mit den Klackern auf dem Verlagshausmarmorboden in „Der Teufel trägt Prada“? Andrea findet sie zunächst arrogant, eine Eigenschaft, die häufig mit Frauen in High Heels assoziiert wird. Wahrscheinlich deshalb, weil sie sich mit den Absätzen unter ihren Füßen künstlich selbst erhöhen. Aber belohnen hohe Schuhe nicht auch mit besserer Aussicht, einem guten Überblick über das Geschehen – und lassen die Trägerin deshalb wie eine Frau erscheinen, die weiß wo es langgeht? Eine Frau in High Heels ist weder zu übersehen noch zu überhören. „Hier komme ich“, sagt die Frau mit klackernden Absätzen. „Nimm Dich bloß in Acht.“

Alle Schuhe von Malone Souliers, der schönsten neuen High-Heel-Manufaktur aus London. Zu kaufen unter anderem bei Matches.com

 

 

 

 

 

  • Anonym
    "High Heels symbolisieren Disziplin, Selbstbewusstsein, Selbstachtung und Willenstärke." Tatsächlich? Die meisten Frauen, die ich in High Heels erspähe, strahlen aus, dass sie in ihren High Heels nicht laufen können (ich lebe nicht mehr in Berlin, Frauen in High Heels sehe ich daher gar nicht so selten). Und eine Frau, die auf ihren Schuhen nicht laufen kann, wirkt leider alles andere als selbstbewusst. Ich persönlich trage vor allem deshalb selten High Heels, weil ich mich dadurch in meiner Bewegung eingeschränkt fühle, bewundere aber all jene Frauen, die sich tatsächlich elegant auf High Heels fortbewegen. Generalisierungen zu High Heels und Sneakers finde ich unangebracht und das Argument über die angeblich so unmodischen und uneleganten nordeuropäischen Frauen auch langsam etwas ausgelutscht. Im nächsten Post wird dann wieder irgendein skandinavisches Label hochgejubelt. Wer gerne High Heels mag, der soll sie tragen und genauso akzeptieren, dass es viele Frauen gibt, die das einfach nicht so gerne tun. Dass man in Berlin damit schräg angeschaut wird, hat wohl mehr mit Berlin zu tun als mit allem anderen. Da muss man dann eben drüber stehen, wenn es mit der Toleranz in der hippen Toleranz-Metropole vielleicht doch manchmal nicht so weit her ist wie man meint. Ich mag deinen Blog sehr gerne, auch weil er sich wohltuend vom Einheitsbrei der anderen Blogger, nicht zuletzt was den Schreibstil und die Themenwahl angeht, abhebt. Die bereits mehrfach vorgekommenen Ausfälle gegen Frauen, die nicht deinem Ideal von Weiblichkeit und Eleganz entsprechen, und die damit verbundene Postulierung eben dieses Ideals finde ich aber recht befremdlich. Ich denke, man kann seinen Geschmack und seine Vorlieben durchaus ausdrücken, ohne sich über den Stil anderer Frauen oder deren Einstellung zu Geschlechterfragen abfällig zu äussern.
  • ist noch eher neu, dass Sneaker am Fusse der Dame von Welt in (allen Ecken) der Welt toleriert. meine Oma z.b. sah das noch ganz anders "Kind, mit diesen Turnschuhen immer werden die Füße zu breit! Und nur mit am Absatz am Fuss geht Frau mit nötiger elegants" die liebe Oma…. 🙂 ich meinerseits finde Eleganz hängt nicht vom Schuhwerk ab und geniesse den Seanker-am-Damenfuss-Trend so lange er hält. Die weibliche Souveränität ist ja schliesslich keine Haltung die von der Absatzhöhe abhängt, oder?! :))
  • Desiree
    Da gebe ich meinen Vorrednern recht. Souveränität, Haltung oder Eleganz hat nichts mit der Absatzhöhe zu tun. Ich finde es gut, dass wir in einer Zeit leben, in der die Tradtion oder auch Konvention gebrochen werden darf. Liebe Claire, deine Artikel regen immer zum Denken oder Mitreden an. Dankeschön.
  • Desiree
    P.S. Deine Auswahl an Klacker-Schuhen ist zum Verlieben. Ich finde sie alle toll.
  • Ich laufe gerne mit beidem herum. Aber im Alltag trage ich eigentlich nur Chucks, ich finde sie fürs Büro bequemer und ich ziehe sie nicht andauernd an und aus. Ausserdem möchte ich tatsächlich nicht so aussehen, als würde ich mir zu sehr über mein Äusseres Gedanken machen, da hast du mich voll erwischt.
    Aber ein Grund der für mich auch sehr stark gegen High Heels spricht, sind diese widerlichen Adern und ich habe echt Angst davor, selber solche hässlichen Füsse zu kriegen… und mit diesen Kitten Heels kann ich mich gar nicht anfreunden. Entweder flach, oder hoch. An anderen gefällt es mir durchaus, aber ich selber komme mir darin blöd vor 🙂
  • lihabiboun
    Ich nehme dann das Modell "Fell in pink mit Küken" Hachnein wie schööööööön!
  • Haha I love the shoe with the baby chicks in it.

    – Liz
    http://www.LizLizo.com

  • Anonym
    Ich möchte diesen Satz 10.000x unterstreichen:
    "Die bereits mehrfach vorgekommenen Ausfälle gegen Frauen, die nicht deinem Ideal von Weiblichkeit und Eleganz entsprechen, und die damit verbundene Postulierung eben dieses Ideals finde ich aber recht befremdlich. Ich denke, man kann seinen Geschmack und seine Vorlieben durchaus ausdrücken, ohne sich über den Stil anderer Frauen oder deren Einstellung zu Geschlechterfragen abfällig zu äussern."
    So prima deine Artikel oft sind, so leider sie allzu oft unter einer Arroganz des Anderen gegenüber – und zwar in den meisten Fällen eben gegenüber Frauen, die deinen Idealen von Körper, Stil, Lebenswandel, Interessen, Körperteilen etc. nicht entsprechen.
  • Liebe(r) Anonym Nr. 1 und Nr. 2: dieser Artikel ist ein Plädoyer FÜR mehr High Heels an Frauenfüßen – nicht GEGEN Frauen in Turnschuhen. Wo habe ich mich in diesem Text über Körper/Stil/Lebenswandel/Interesse etc. von letzteren negativ ausgelassen? Ich habe geschrieben, dass ein High Heel schmeichelhafter sein kann, weil er die feminine Silhouette betont. Ich habe NICHT geschrieben, dass Frauen in High Heels die besseren Frauen sind. Meine Beobachtung ist schlichtweg, dass Frauen, die sich für hohe Schuhe, Lippenstift, körperbetonte Kleider interessieren, oftmals als ein bisschen dämlich, wenn nicht sogar unemanzipiert abgestempelt werden. Die Sneaker-Frauen müssen hier nicht verteidigt werden, die sind längst salonfähig und das ist auch gut so – ich selbst trage heute weite Jeans und Turnschuhe. Nur ist diese Art, sich zu kleiden, in Deutschland längst selbstverständlich. High-Heel-Frauen brauchen aus meiner Sicht noch etwas Unterstützung. Das war die Intention dieses Artikels.
    • kate
      gut so! es stimmt, frauen in deutschland kleiden sich nicht feminin. und der rasche aufschrei zeigt, wie sehr es ein problem mit sexy gibt.
      ich studiere kulturwissenschaften und kann einfach nicht mehr meine kommilitonen ansehen: windjacken, softshelljacken, löchrige leggins, achselhaar, bunte riesige stulpen+mützen, immer ein labriges tuch um den hals, flache öko-schuhe aus der kleiderkiste und ein blumiges schlecht vernähtes tabaktäschchen. ich kann nicht mehr…ich muss nun ständig schmunzeln, weil alle so aussehen und sich haargenau kopieren, aber dabei so individuell tuen.
      ich wurde auch auf hohen schuhen auf dem campus verrissen, meine pinker-sherling-mantel hat andere in rage gebracht und mit verachtung bestraft. für einen tag haben uns studierende aus osteuropa besucht, ein wahrer balsam. sie haben sich zurechtgemacht, gepflegt, schöne hohe stiefel angehabt, das ganze wirkte respektvoll und offen. ich wollte denen schon um den hals fallen. die anderen haben bloß grimmig auf die gruppe geschaut, sich auf den eisigen beton gesetzt, um aus ihrem turnbeutel "eine" noch zu drehen. die meisten von diesen coolen, können doch nicht einmal leder von imitat unterscheiden, geschweige denn überhaupt verstehen, warum ein kaschmirpullover so toll ist. für ein aufrichtige diskussion ist eine gewisse ebene, verständnis nicht gegeben.

      du machst das super! halte dich gegen den gegenwind, meine unterstützung hast du voll und ganz.
      kate

    • Susanna
      Haha, ist auf jeden Fall was dran, die "betont Toleranten" haben oft die größten Probleme mit anderen Erscheinungen. Ich bekomme von Kolleginnen in benannten Windjacken und Jahnsport-Rucksäcken sehr oft Kommentare zu Lammfellmantel, Röhrenjeans (!!) oder eben auch hohen Schuhen. Die reden mehr über meine Klamotte als ich und sind gleichzeitig stolz, so unmodisch daherzukommen. Paradox.
    • Anonym
      Liebe Claire,
      ich verstehe deine Intention und bin auch immer dafür, bestehende Verhältnisse zu hinterfragen und neue Sichtweisen zu ermöglichen. Ich finde aber elementar, deshalb auch mein obiger Kommentar, dabei nicht zu vergessen, dass neue Ideale ebenso Ausschlüsse produzieren, womit du genau das tust, was du eigentlich kritisierst.
      Diese Art der Herabsetzung des zu Kritisierenden finde ich in diesem Text in einem Satz wie zum Beispiel diesem:
      "Eine Frau, die hohe Schuhe trägt, darauf gut laufen und dabei noch lächeln und eine intelligente Unterhaltung führen kann, ist doch ungleich beeindruckender als eine Frau in Turnschuhen. High Heels symbolisieren Disziplin, Selbstbewusstsein, Selbstachtung und Willenstärke. Wer Frauen in High Heels verurteilt, der verurteilt auch Frauen mit diesen Charaktereigenschaften. "
      -> ungleich beeindruckender (=Frau in hohen Schuhen ungleich beeindruckender als Frau in niedrigeren?)
      -> High Heels symbolisieren Disziplin, Selbstbewusstsein, Selbstachtung und Willensstärke (= Turnschuhtragende Frauen können dies nicht gleichermaßen ausstrahlen?)

      Zum Thema Arroganz Körper/Stil/Lebenswandel/Interesse anderer (Frauen) gegenüber habe ich zwei Zitate herausgesucht. Es sind leider nicht die einzige, vielleicht aber die herausragendsten?

      "Im Februar brachte sie die amerikanische Fernsehikone und GIRLS-Erfinderin Lena Dunham auf das Cover ihres Magazins. Lena Dunham ist zweifellos eine tolle Frau, aber ihre Oberarme sehen unmöglich aus. Das war auch in besagter Vogue-Fotostrecke trotz sorgfältiger Retusche nicht zu übersehen. Dunhams Oberarme schauen aus wie zwei aus der Form geratene Weißbrotlaibe. Und obendrauf dieses Tattoo! Tut mir leid, aber das musste ich jetzt mal sagen." (aus: http://www.cestclairette.com/2014/08/oberarmtraining-mit-anna-wintour.html#more)

      "Mit ihrer betont nachlässigen Wollmützenaura sieht mir die Sprecherin ihrerseits eher bedingt nach einem Lustobjekt aus." (aus: http://www.cestclairette.com/2013/12/schon-emanzipiert.html#more)

      Ein Satz aus einem Kommentar weiter unten bringt meinen Unmut mit solcherlei Aussagen auf den Punkt "Was Dir aber, glaube ich, ein wenig fehlt, ist der Sinn dafür, dass es Deine Meinung ist und nicht eine Einsicht in die Wahrheit. Und etwas Empathie. Worte sind meist nicht wirkungslos, und während Du den einen aus der Seele sprechen magst, fühlen sich andere vielleicht verletzt oder zumindest unangenehm berührt."

      Wie gesagt, es ist toll, Dinge in Frage zu stellen. Dabei sollte man her nicht seine eigene Position, Privilegien und Vorurteile / Ideale unreflektiert lassen und nach dem Motto "das wird man ja wohl mal sagen dürfen" Dinge (vor allem ästhetischer Natur) als scheinbar "natürlichen" Zustand beschreiben ("klar sind dicke Oberarme hässlich").

      Vielleicht kann dich mein Kommentar ja zum Denken anregen, denn obwohl ich unrasierte Achselhaare trage, lese ich Modezeitschriften, rasiere mir die Beine, trage gerne hohe Schuhe und finde Kunst schön, die "klassisch Schönes" zeigt 🙂

    • Anna
      Wer suchet, der findet!

      "High Heels symbolisieren Disziplin, Selbstbewusstsein, Selbstachtung und Willensstärke (= Turnschuhtragende Frauen können dies nicht gleichermaßen ausstrahlen?)" – ein Symbol beschreibt eine Assoziation, in diesem Fall für High Heels genau so in der westlichen Kultur tradiert – ich sehe nicht, wo genau in diesem Satz die Turnschuhträgerin überhaupt Erwähnung findet? Was sie also ausstrahlt oder nicht, das ist dein eigener Schluss.

      Zum Dunham-Beispiel: wer genau liest, der merkt, wie treffend überspitzt hier beschrieben wird. "Ihre Oberarme sehen unmöglich aus,(…) wie zwei aus der Form geratene Weißbrotlaibe". Das ist doch ein Satz, der höchstens mal aus dem Mund einer alten wohlhabenden Dame kommen würde, und das über Lena Dunham, die mal so gar nichts mit alten Damen zu tun hat, und die auch noch in der Vogue. Soviele Gegensätze, so clever und elegant in ein paar Sätzen verpackt.

      Wie die von dir zitierte Vorrednerin bereits schrieb, Worte sind meist nicht wirkungslos. Glück also dem, der die feinen Nuancen und stilistischen Mittel der Sprache erkennen kann und will, nicht jedes Wort als bare Münze nimmt und nicht nur das liest, was er lesen will.

      So, und abgesehen davon, dass mir diese Korinthenkackerei, und die Tatsache, dass um Gottes Willen bloß niemandem mehr auf den Schlips getreten werden darf, weil er sonst verletzt oder gleich traumatisiert werden könnte, ziemlich auf die Nerven geht (und die sonst allgegenwärtigen "<3" gleich mit), finde ich die Texte auf diesem Blog durchweg sehr charmant, erfrischend und großartig geschrieben. Also, wer will sich da aufregen?

    • Danke Anna, so sehe ich das auch.
      Natürlich darf kritisch hinterfragt werden aber ich finde nicht, dass man so dramatisieren muss was das "andere auf den Schlips treten" anbelangt. Das oben geschriebene als Beispiel für "arrogante Ausfälle gegen Andersdenkende" auf diesem Blog zu betiteln, finde ich zu drastisch.
      Sobald man seine Meinung in eine Richtung äußert, wird das oft als Ausschluss und Absagen an alle anderen Meinungen zu dem Thema wahrgenommen. Wenn ich sage "ich trage am liebsten rote Socken, weil ich mich darin schön fühle" heißt das ja nicht automatisch dass ich alle Menschen mit schwarzen Socken hässlich finde – leider verstehen das aber viele so.

      Liebe Claire, mach weiter so, deine Stimme wird geschätzt und gehört, sei stolz darauf.

  • Anonym
    Ausfälle in diesem Blog habe ich bislang ebenso wenig erkennen können wie Arroganz gegenüber einem bestimmtem Frauentyp. Eher ein Nachdenken über die Wirkung, wie Frauen sich kleiden. Ja, es stimmt, Frauen, die sich für Mode interessieren, es muss nicht mal körperbetonte Kleidung sein, werden nicht nur oftmals, sondern grundsätzlich, als ein bisschen dämlich angesehen, vor allem im Berufsleben. Eine Frau nicht ernst zu nehmen, weil sie auf ihr Äußeres achtet und ihre Weiblichkeit betont, ist schlicht und einfach diskriminierend.
  • Anonym
    Liebe Claire,
    ich stimme meinen Vorredner_Innen zu, dies ist ein wunderbar geschriebener Artikel — Du bist ganz offensichtlich talentiert und hast eine starke eigene Meinung. Was Dir aber, glaube ich, ein wenig fehlt, ist der Sinn dafür, dass es Deine Meinung ist und nicht eine Einsicht in die Wahrheit. Und etwas Empathie. Worte sind meist nicht wirkungslos, und während Du den einen aus der Seele sprechen magst, fühlen sich andere vielleicht verletzt oder zumindest unangenehm berührt. Und wenn wenn man jemanden verletzt, wäre es dann nicht besser und einfacher und vielleicht etwas netter, sich dafür zu entschuldigen, und darüber nachzudenken, was diese Wirkung, die man vielleicht gar nicht beabsichtigt oder sogar bemerkt hat, erzeugt? Intention ist nicht alles und als Autor hat man leider auch nicht die Deutungshoheit über die eigenen Worte.
    Ein Beispiel: Ich trage keine High Heels, weil ich darin nicht laufen kann, was vermutlich damit zu tun hat, dass meine Mama nie High Heels trug, und die trug sie nicht, weil sie schwache Gelenke hatte und es ihr ärztlich verboten war. Ich hoffe doch aber, dass ich (und sie!) trotzdem mindestens genauso weiblich und souverän und elegant wirken kann. Warum sollte es außerdem für Frauen notwendig sein, sich in unbequemes und ungesundes Schuhwerk zu quetschen, um professionell und anziehend zu sein, während Männer flache Schuhe tragen dürfen? Und warum muss Frau sexy sein und lächeln und unterhaltsam, und gleichzeitig Schmerzen in den Füßen wegstecken? Meine Meinung ist, dass es alles etwas einfacher sein sollte. Aber deswegen finde ich nicht, dass Damen in High Heels unemanzipierte Tussis sind.
    • kate
      eine meinung ist kein ultimatum.
      man kann es allen nicht rechtmachen.
      man kann aber: zwischen den zeilen lesen, verweilen, weiterdenken, anstoßen und wieder loslassen.
      man kann sich auf die zehenspitzen stellen und mal so tun, als hätte man absätze an, dann durch die wohnung flanieren und mal in den spiegel schauen. fühlt sich da was anders an? sicherlich, und eben das zu bemerken ist schon goldwert.
      und wieso werden ständig männer mit frauen verglichen? um die rechte geht es hier nicht. wir unterscheiden uns doch körperlich und mental von einander. frauen haben ihre waffen und männer auch, ist doch in ordnung. außerdem sind körperliche veränderungen, bemalungen, verschönerungen tief in unserer menschlichen kultur verankert, da braucht man bloß in büchern blättern und von der schieren erfindungskunst zu staunen.

    • Susanna
      word!
  • Iris
    Liebe Claire,
    hier mein erster Kommentar: Ich mag deinen Blog zu gerne. Du bist erfrischend, frech, selbstbewusst, lustig….. und viel mehr. Ich gestehe: Ich stand – nachdem ich das Lena-Weißbrot-Statement gelesen habe – vor dem Spiegel und habe kritisch meine Oberarme beäugt. Bisschen "Angst" eingejagt hat es mir schon, dass vielleicht meine Oberarme auch so aussehen oder jemand so über mich denkt. Aber es hat mich nicht weiter aufgehalten. Es geht doch auch darum im Leben, die Perspektive zu wechseln, das Ich außen vor zu lassen und dankbar zu sein, dass man in die Gedanken der anderen einblicken kann.
    Ich freue mich, dass du hier so schreiben kannst, wie dir der Schnabel gewachsen ist, ohne dass dich irgendein Chefreadkteur politisch korrekt glattbügelt.
    Das bist du. Bleib so.
    Deine
    Iris
  • Die Kindergartenszene ist ja niedlich… Ich bin selbst Mutter von zwei kleinen Kindern und laufe täglich zum Kindergarten. Mütter sind tatsächlich eine Spezies, die in Sachen Mode und Stil Unterstützung braucht. In High Heels kommen, wenn überhaupt, nur Mütter mit ausländischer Herkunft (Polen, Slowakei o.ä). Das zeigt aber auch, dass es prinzipiell möglich ist. Ich selbst mag es oft auch lieber bequem – was aber eher daran liegt, dass ich die Strecke zum Kindergarten meist zu Fuß gehe (ca 15 min) und auf dem Rückweg hinter meiner Tochter herrenne, die gerade das Fahrradfahren gelernt und noch nicht richtig bremsen kann. Wir holen dann zusammen die kleinere Tochter aus der Krippe ab (wird im Budget geschoben, zu dem ich mich runterbücken muss, wenn ich hohe Schuhe trage) und gehen bei schönem Wetter noch auf einen Spielplatz mit Kieselstein-Boden. Wer das alles in High Heels schafft, braucht echt gute Nerven…
    • Anja
      Ja, das kenne ich nur zu gut. Aber irgendwie ist es doch auch schade, dass viele Mütter nur noch sportlich und bequem daher laufen. Nicht, dass sie weniger gut aussehen und der Grund dafür ist ja offensichtlich. Aber ich finde, Frau muss mehr Gelegenheiten schaffen, dass sie Kinder sie mal als Frau erleben dürfen. Ich habe z.B. zwei Jungs und möchte eigentlich nicht, dass sie denken, Frauen tragen nur Jeans und Turnschuhe.
      Daher finde ich deinen Artikel, Claire, mal wieder als kleinen Denkanstoß. Wie schwierig das Thema ist, habe ich schon an den anderen Kommentaren gesehen. Aber ich glaube Frauen dürfen im guten Sinne auch mal Frau sein, Po und Busen betonen und ihre Beine sowieso. Danke also für diese schöne Inspiration!
  • Ah das ist in Deutschland so! Meine Mutter war auch immer die mit Absätzen, aber es ist wirklich ein Deutsches Phänomen, in Frankreich, Nordafrika, Italien, ist High Heels tragen so normal wie sneakers, es kommt einfach drauf an was passt. Aber dafür ist der Effekt nicht der gleiche, trägt man in Deutschland High Heels ist es etwas besonderes, man richtet Blicke auf sich, man hat einen Wow-Moment, In Paris ist man einfach nur eine Frau, und beides hat meiner Meinung seinen Reiz…