Kraut & Rüben #4

DIE INSPIRATIONEN DER WOCHE

1. Die Dating-Plattform Elite Partner hat die anstehende Bundestagswahl zum Anlass genommen, ihre Mitglieder zu ihrem Liebesleben  zu befragen. Was ist CDU-Wählern in der Beziehung wichtig? Was finden FDPler heiß? Nina Pauer hat „Die Liebe in Zeiten der Bundestagswahl“ in der ZEIT sehr amüsant analysiert: „Auch wenn Sex im Flugzeug eher ein Mythos ist“, schreibt ElitePartner zum Thema erotische Experimentierfreudigkeit, „gehören immerhin vier Prozent der Grünen-Wähler zum Mile High Club.“ Was, möchte man fragen, hatten sie überhaupt in einem Flugzeug zu suchen? Wäre es nicht ökologischer gegangen?“

2. In den Weiten des Internets habe ich diesen total praktischen „Tube Wringer“ gefunden und bin natürlich begeistert, zähle ich doch zu jenem Teil der Gesellschaft, der die Zahnpastatube bis auf den letzten Rest ausquetscht, wenn nicht sogar aufschneidet. So spart man Geld, dass man dann für Handtaschen ausgeben kann.

3. Sonja Heiss‘ brandneuer Roman „Rimini“ handelt von den Problemen einer ganz normalen Familie: da ist der erfolgreiche Anwalt, der vor lauter angestauter Wut seine Aktenordner zerbeißt und zur Rettung seiner Ehe eine Therapie anfängt, bei der er sich dummerweise in seine Therapeutin verliebt. Seine Mutter, die die Langeweile des Rentnerlebens in den Wahnsinn treibt. Seine Schwester, die in ihrer Torschlusspanik kurzfristig beschließt, mit ihrem Freund ein Kind zu bekommen, und ihn, kaum ist die Entscheidung gefallen, plötzlich abstoßend findet. Die Autorin beschreibt mit größtem Scharfsinn menschliche Abgründe, in denen man sich selbst wieder erkennt – und erinnert nebenbei daran, dass Familie keine Selbstverständlichkeit ist.

4. Woher weiß dieses lustige Kind, was erwachsene Menschen denken, wenn sie ein Selfie von sich schießen? Oder machen Achtjährige heute auch schon Selfies? (Seitdem mir meine 12-jährige Cousine neulich erklärt hat, Facebook sei was für alte Leute, habe ich das Gefühl, den Anschluss verpasst zu haben)

5. Hier ein Outfit, dass ich diesen Sommer unbedingt noch ausprobieren muss – gesehen an Erin Wasson, featuring Hosenträger!


6. Hier mein aktueller Bildschirmhintergrund, ein Motiv aus der aktuellen Kampagne von Diane von Furstenberg, von dem wir alles etwas lernen können. Wie großartig ist bitte der zweite Look von links?

6. Der Dokumentarfilm „Citizen Jane – Battle for the City“ erklärt, welchen Einfluss radikale Stadtplanung auf den Zusammenhalt einer Gesellschaft nehmen kann. 1961 kritisierte die Journalistin Jane Jacobs in ihrem Buch „The Death and Life of Great American Cities“, dass mit dem Bau anonymer Sozialwohnungstürme kein lebenswerter Wohnraum für ärmere Bürger entstehe, sondern gesichtslose Viertel am Stadtrand, in denen man sich kaum auf die Straße traut. Jane Jacobs wäre in diesem Jahr 100 geworden, und die Dokumentation ist schon 2009 erschienen, aber nach wie vor hochaktuell…

7.…schließlich verdrängen auch die jüngste Stadtplanungen in New York immer mehr Menschen aus den zentralen Wohngebieten. Sogar die Luxusboutiquen auf der Bleecker Street müssen mittlerweile wegen der absurd hohen Mieten schließen. Peter Richter hat die „Gentrifizierung im Endstadium“ in der Süddeutschen Zeitung beschrieben.

8. Egal ob Kinofilm oder Musikalbum, ich bin immer spät dran. Aber ist ja auch egal: das Album „Everybody Loves the Sunshine“ von Roy Ayers erschien zwar schon 1976, hat mir im verregneten Sommer 2017 aber des Öfteren den Tag gerettet.

9. Etwas neuer ist der Song „Harvest Moon“ von Poolside, der mir auf Man Repeller als passender Soundtrack zum morgendlichen Anziehen verkauft wurde, wo ich natürlich hellhörig geworden bin.

10. Endlich freue ich mich wieder darauf, den Briefkasten zu öffnen – ich bin nämlich neuerdings stolze New-Yorker-Abonnentin! In der aktuellen Ausgabe habe ich eine unglaubliche Reportage über eine Mutter gelesen, der das Jugendamt aus dubiosen Gründen die Kinder weggenommen hat. Leichte Kost dagegen diese Seite:

11. Der libanesische Modedesigner Rabih Kayrouz kann nicht nur traumhafte Roben schneidern (sollte ich mal in ein Hochzeitskleid steigen, dann in eins von ihm), sondern ist auch ein hervorragender Gastgeber. In der New York Times gibt er Tipps für ein gelungenes und gleichsam entspanntes Abendessen.

12. Zu den Zeitungsartikeln, die man immer wieder lesen kann, zählt Jens Jessens fantastische und absolut zeitlose Kulturkritik des Freibads aus dem Sommer 2016, die ich aus aktuellem Anlass neulich wieder ausgegraben habe (in Berlin hat die Freibadsaison gefühlt gerade erst angefangen). Hier ein Ausschnitt:

„Ein Freibadschlaf ist einem linden Drogenrausch nicht unähnlich. Dazu gehört auch, dass man mit einem plötzlichen Unwohlsein erwacht. Plötzlich ist einem definitiv zu kalt, plötzlich hat man bohrenden Hunger, plötzlich merkt man, wie bissig die Ameisen tätig gewesen sind. Plötzlich ist laut aus einem Megafon gesprochen worden, plötzlich hat eine Stimme, die nicht zum familiären Grundgeräusch gehört, dunkel grollend das Springen vom Beckenrand untersagt. Den blechernen Bass des Bademeisters noch im Ohr, springt man auf und hastet zum Kiosk. Der Kiosk gibt Halt, Schlangestehen gibt Halt, die schlaffen Pommes, gerade diese übersalzten, überfetteten und überteuerten Pommes könnten jetzt besonders guttun. Gierig und benommen prüft das Hirn, das seine Betriebstemperatur noch nicht ganz wiedergewonnen hat, die Alternativen von normalem und Curry-Ketchup, von Mayonnaise und der berühmten Mischung, die sich „rotweiß“ nennt (auch als „Pommes Schranke“ bekannt). Aber wo ist das Portemonnaie?“

13. Punkrock ist ja jetzt nicht so meine Stilrichtung, aber von dieser Modestrecke, gesehen im T Magazine, habe ich einiges gelernt, zum Beispiel: Pünktchenstrumpfhose zu Pünktchenkleid! Tolle Sache.

Photo: Mark Kean

14. Wer in diesem Jahr einige Junggesellinnenabschiede überstehen musste, wird sich über diesen amüsanten Text freuen: „Tips for Emily’s Low-Key Destination Bachelorette! Please Read“

15. Der Film zur aktuellen Kollektion von Charlotte Olympia, aus der ich dringend diese Mules brauche, ist ein Schwarzweiß-Krimi über zwei skrupellose High-Heel-Mörderinnen: