Alles Mood?

WIE MAN AUF INSTAGRAM SO TUT, ALS SEI MAN TIEFSINNIG

Es ist gar nicht so einfach, Instagram zu nutzen, ohne sich dabei bescheuert vorzukommen. Ich hatte neulich so einen Moment des plötzlichen Erstarrens, als ich gerade dabei war, ein Foto von mir hochzuladen und mir dazu eine ironische Bildunterzeile auszudenken: Was mache ich hier eigentlich? Wer Instagram nutzt, muss sich ständig den Vorwurf der Oberflächlichkeit anhören. Sind ja nur Fotos! Da können schon mal Zweifel an der eigenen Tiefsinnigkeit aufkommen. Und tiefsinnig will ja heute jeder sein, das merkt man an den vielen selbstdiagnostizierten Nervenkrankheiten. Aber zum Glück gibt es seit einer Weile ein Mittel, eine wunderbar einfache und effektive Möglichkeit, den eigenen Gedankenreichtum unter Beweis zu stellen und gleichzeitig weiter Fotos von seiner schönsten Gesichtshälfte auf Instagram zu teilen, ohne sich jemals wieder dafür schämen zu müssen, ja! Es gibt die Bildunterzeile „Mood“. Halleluja.

„Mood“ geht so: Sobald man den Verdacht hat, am eigenen Tiefgang werde gezweifelt, postet man einfach irgendein Foto und schreibt darunter „Mood“. Das bedeutet so viel wie Stimmung, Gefühl. Wer eine Stimmung und Gefühle hat, muss ein nachdenklicher Mensch sein, so die Idee. Man kann damit so ziemlich jedes Bild beschriften und so ziemlich jedem Bild den Anschein von Bedeutung verleihen. Man kann damit weiterhin seinen Sinn für Witz und Selbstironie unter Beweis stellen, zum Beispiel, wenn man an einem Montagmorgen sowas hier mit dem „Mood“-Hinweis postet:

Oder sowas:

„Mood“ ist zudem sehr effizient: Als UrheberIn muss man sich für diese Unterzeile null Gedanken machen. Für die Betrachter bleibt hingegen ein Rätsel, in welcher Mood sich der/die UrheberIn gerade befindet. Dieser Effekt ist erwünscht: Wer eine „Mood“ verlauten lässt, möchte schließlich nicht nur als launischer, sondern auch als geheimnisvoller Mensch wahrgenommen werden.

Verwirrungen sind da natürlich vorprogrammiert. Manchmal weiß die Urheberin nämlich nicht einmal selbst, welche „Mood“ sie gerade hat, wie dieses Beispiel von Kim Kardashian zeigt. Als die ausgefuchste Investigastivjournalistin und Hobbypsychologin, die ich nun einmal bin, habe ich mich dazu berufen gefühlt, das Geheimnis „Mood“ endlich zu lüften und die wahren „Moods“ hinter der „Mood“ zu ergründen. Es gibt so viele! Hier sind sie schon.

Mood „Stürmische Nacht“

Mood 💙

Ein Beitrag geteilt von Celia Solf (@celiasolf) am


Stürmische Gedanken haben @celiasolf gestern Nacht um den Schlaf gebracht. So vieles ging ihr durch den Kopf: die Frage, ob sie den tollen Prada-Ledermantel in der Vintage-Boutique wohl bis zu Beginn des neuen Kreditkartenmonats zurücklegen könnte. Die Überlegung, ob Süßkartoffeln eigentlich genauso viele Kohlenhydrate haben wie normale Kartoffeln. Die Frage, wie sie ihrer Mitbewohnerin den von ihr neu entworfenen Putzplan aufzwingen könnte. Die Wut auf ihre Mitbewohnerin, weil die sich gerade in der Küche einen Mitternachtssnack briet, dessen Geruch sich in der ganzen Wohnung ausbreitete. Erst als @celiasolf auf Instagram drückte, minutenlang durch ihren Feed wischte (ohmmmmm) und schließlich dieses Foto postete, legte sich der Sturm in ihrem Kopf.

Mood „Mehr Spaß in Deutschland“

Mood. #helmutnewton

Ein Beitrag geteilt von HIEN LE (@studiohienle) am


Zu sehen sind ein Mann, der mit dem Rücken zu einer krassen Aussicht Zeitung liest, und eine Frau, die oben ohne die krasse Aussicht bestaunt. Der Titel der Zeitung lautet Nice Matin, die Szene ereignet sich also in Frankreich, aber auch ohne Zeitung wäre ich darauf gekommen, dass das nicht Bielefeld sein kann. Warum ist Deutschland eigentlich so ein staubtrockenes Land? Wieso gibt es hier keine Palmen? Warum scheint so selten die Sonne? Wieso muss man überhaupt arbeiten? Und warum darf man hier IMMER NOCH NICHT oben ohne rumlaufen? Das würde echt so vieles einfacher machen: Nichts zum Anziehen zu haben wäre plötzlich schick, und die Modedesigner (etwa @studiohienle) könnten ihre transparenten, BH-freien Laufstegoutfits endlich mal auf der Straße sehen. @studiohienle möchte, dass sich Deutschland von seinem Spaßbremsen-Image verabschiedet. Bitte liken.

Mood „Frauenversteher“

mood... 💥

Ein Beitrag geteilt von klausstockhausen (@klausstockhausen) am


@klausstockhausen hat davon geträumt, sich über Nacht in eine Frau verwandelt und dazu gleich seine Tage bekommen zu haben. Was machen Frauen eigentlich, wenn sie ihre Tage kriegen? Hilfe! Da er sich nicht anders zu helfen wusste, turnte er erstmal eine Kerze. Wer schon mal im Bett des neuen Liebhabers im eigenen Blut aufgewacht ist, kennt diese bewährte Notfallmethode. Insofern: Alles richtig gemacht! Am nächsten Morgen erwacht @klausstockhausen schwer erleichtert ob der Tatsache, immer noch ein Mann zu sein, aber auch mit einem gänzlich neuen Verständnis für die Lage der Frauen.

Mood „Krankstellen für Fortgeschrittene“

mood today

Ein Beitrag geteilt von Louisa Goltz (@louisa___official) am


Um diesen supersonnigen Mittwoch auf dem Balkon statt im Büro verbringen zu können, hat sich @louisa__official richtig ins Zeug gelegt: Statt die billige „Bin heute krank! Tut mir voll leid, dass ihr die Präsentation jetzt alleine machen müsst, aber ich hab echt Bauchkrämpfe!“-Rundmail zu schicken, ist sie vorsätzlich gegen die Supermarktdrehtür gelaufen, um erstmal ordentlich Nasenbluten zu bekommen. Weil trotz starker Erschütterung kein Nasenbluten eintrat, leckte sie zusätzlich noch die Tür ab, um sich ein paar fiese Supermarktkeime einzufangen. Hoffentlich folgen ihr keine Kollegen auf Instagram. Und hoffentlich ist sie noch gesund genug, die Arbeitsunfähigkeit auf dem Balkon und nicht über der Kloschüssel zu genießen.

Mood „Wunschpunkte“

Mood

Ein Beitrag geteilt von Alireza (@alirezanyc) am


Die naheliegendste Vermutung für @alirezanyc’s Mood: Er will mal wieder in den Urlaub und sich die Sonne auf die Füße scheinen lassen. Aber so einfach sind Instagramnutzer nicht gestrickt! Tatsächlich benötigt der bekennende Sams-Fan @alirezanyc gerade dringend Wunschpunkte. Und zwar um 1. Donald Trump weg, 2. Kim Jong-un eine Mini-Atombombe, die nur ihn allein trifft, 3. Kylie Jenner Zwillinge, und 4. sich selbst das Pony zu wünschen, das ihm seine Eltern nie zu Weihnachten schenken wollten. Für die übrigen 20 Wunschpunkte hat er noch keine Verwendung, aber da findet sich was. Ungeklärt bleibt, ob man Wunschpunkte tatsächlich faken kann. @alirezanyc liegt gerade sehr gut eingecremt und mit nichts als Crocs bekleidet am Strand. Stay tuned. 

  • Meike
    Das war sehr lustig, ich liebe deinen Humor!!