Keine Anmerkungen

ÜBER DIESES OUTFIT KANN MAN VIELES SCHREIBEN – ODER GAR NICHTS

Wenn man nicht weiß, was man schreiben soll, dann schreibt man am besten darüber, dass man nicht weiß, was man schreiben soll. Ich hatte schon länger vor, diese Bilder, die Sandra Semburg von mir in Kopenhagen schoss, hier zu veröffentlichen. Aber natürlich geht das auf C’est Clairette nicht ohne die entsprechende Story dazu. Also versuchte ich mich an verschiedenen Aufhängern, hinter denen sich die in Wahrheit rein narzisstische Intention dieses Posts möglichst geschickt verstecken ließe, zum Beispiel:

A) Die Untersuchung der inneren Schizophrenie, die sich bei Betrachtung von Streetstyle-Schnappschüssen der eigenen Person einstellt, irgendwo zwischen Geschmeicheltsein und Selbstkritik pendelnd.

B) Die Beobachtung, dass der ständige Vergleich mit anderen Straßenmodels mitunter zu erhöhter Kauflust führen kann, weil man, sobald man andere fabelhaft gekleidete Leute auf style.com oder The Locals entdeckt hat, häufig dazu neigt, den eigenen Look vollkommen abstoßend zu finden und auf der Stelle neue Kleider kaufen will.

C) Die Frage, ob auch Miroslava Duma oder Natalie Joos bei Betrachtung der Bilder, die von ihnen überall auftauchen, im Nachhinein manchmal die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

D) Das Rätseln darüber, ob sich der persönliche Stil dem Streetstyle-Hype angepasst hat, ob man wagemutiger und extravaganter geworden ist, bloß um fotografiert zu werden.

E) Die Angst davor, infolge der ständigen Beschauung seiner Selbst auf immer mehr Streetstyleblogs irgendwann doch an der eigenen Selbstgefälligkeit und Arroganz zu ersticken.

Irgendwann dachte ich dann: vielleicht ist es gelegentlich wirklich keine schlechte Idee, einfach mal die Klappe zu halten. Die Mode um der Mode selbst existieren zu lassen, nicht überall etwas hineinzuinterpretieren, und vor allem, dem Ereignis der individuellen Bekleidung nicht immer allzu viel Tiefsinn beizumessen. Schließlich ist es im Grunde schon eingebildet genug, Schnappschüsse der eigenen Person auf seinem Blog zu posten. Deshalb gibt es diese Bilder heute einmal ohne jede weitere Randbemerkung (das Gerede oben zählt nicht, das gehört noch zum Thema des Schreibens über die eigene Schreibunfähigkeit!). Man betrachte sie als Inspirationsvorschlag oder Gelegenheit zu Schimpf und Schande über mein mangelndes Stilvermögen. Je nach dem, wie man gerade drauf ist. Nur für eines will ich hier heute ganz vehement plädieren: dass Sandra Semburg eine verdammt gute Fotografin ist, und man sich deshalb auf der Stelle das Buch „Berliner Stil“ zulegen sollte, in dem es von ihren herrlichen Bildern nur so wimmelt. Von mir ist allerdings und zum Glück keines dabei. Ich will ja nicht noch eingebildeter werden.

Outfit 1: Kleid von Proenza Schouler, Lederjacke von Acne, Schuhe von Wood Wood. Outfit 2: Bluse und Lederjacke von Acne, Jeans von Levi’s, High Heels von Charlotte Olympia.