Zum Wohl!

WAS ALKOHOL UND SCHÖNHEITSPFLEGE ALLES GEMEIN HABEN...

P1420672Mein Badezimmer hat cremefarbene Kacheln mit Schlierenmuster, vor der Dusche hängt ein schwarz-weißer Plastikvorhang, und über dem Spiegel, der einen Sprung hat, leuchtet eine Blechlampe ohne Schalter; wenn man sie ausknipsen will, muss man den Stecker herausziehen. Mein Badezimmer sieht genau so aus, wie ich es seit 21 Jahren mit meiner Körperpflege halte: pragmatisch. Ich habe keine Wattebäusche, keine Kosmetiktücher, keine Döschen mit drapierten Q-Tips, keine vegane Zahnpasta, kein nach Limette und Kardamom duftendes Shampoo, keine Lichterkette überm Spiegel, keine Duftkerzen, keine goldenen Handtuchhalter, keinen Föhn, keinen marmornen Zahnputzbecher. Meine Zahnbürste ruht in einem staubigen Caipirinha-Glas. Wer mein Badezimmer betritt, ohne mich zu kennen, könnte mich für einen Mann halten.

Merkwürdig ist, dass mein Kleiderschrank den genau gegenteiligen Eindruck vermittelt. Ich horte High Heels, Kleider und Handtaschen, wie Kinder Spielzeug sammeln. Ich liebe alles, was flattert, glitzert, schimmert und glänzt, Fransen, Volants, kaleidoskopische Drucke, Blumenmuster, Gelb, Rosa, Himmelblau, Smaragdgrün. Mein Kleiderschrank ist ein Mädchen, mein Badezimmer ein Kerl.

Aber ist das wirklich ein Widerspruch? Seitdem ich denken kann, habe ich es geliebt, im Mittelpunkt zu stehen. Als Kind plapperte ich ohne Unterlass und erzählte einen Witz nach dem anderen; als keiner mehr meine Witze hören wollte, fing ich an, mich witzig anzuziehen. Mein Kleidungsstil ist ein Spiegel meiner Rampensauheit. Mit meiner Körperpflege habe ich es hingegen immer, genau wie mit meinem Badezimmer, ganz rational gehalten: sauber muss es sein, aber nicht fancy, denn die Körperpflege kennt ja, anders als der Kleiderschrank, kein Publikum. Ob ich mir die Beine einöle, die Pobacken mit Meersalz einreibe oder vor dem Schlafengehen eine angeblich verjüngende Feuchtigkeitsmaske aufs Gesicht schmiere – wen interessiert das? Warum den privatesten Ort der Wohnung mit Tiegeln und Tages- und Nachtcremes und parfümierten Lotionen und Badesalzen und Schaumbädern vollkrempeln? Warum Arbeit und Geld in etwas investieren, das sowieso keiner sieht?

Das zelebrierte Ritual der Körperpflege habe ich früher immer fasziniert bei meiner Mutter beobachtet, und wie bei so vielen Dingen im Leben musste ich auch hierbei zuletzt feststellen, dass Mütter es eben doch immer besser wissen. Denn gerade die Tatsache, dass man die luxuriöse Körperpflege für sich und niemanden sonst, kein Publikum, keine urteilenden Freundinnen und keinen zu verführenden Mann, sondern ausschließlich für sich allein betreibt, macht sie zu einer so exklusiven Zeremonie. Ein feines Schönheitsprodukt kann wohl die gleiche Wirkung erzielen wie ein gutes Glas Wein. Alles, worüber man sich eben noch geärgert hat, verliert an Bedeutung, sobald man mit einem Gläschen am Kamin sitzt oder ein paar Stunden zwischen Töpfen und Tiegeln im Badezimmer verbringt. Man braucht dafür keine Gesellschaft, im Gegenteil, das Vergnügen besteht gerade darin, dass man es alleine tut. Für einen Moment ist die Welt intakt, man fühlt sich schwerelos. Die Leute haben für diesen magischen Zustand das mittlerweile geflügelte Modewort Wellness etabliert und daraus gleich eine ganze Industrie gemacht, mit Wellnesshotels, Wellnesskreuzfahrten, Wellnessstudios und Wellnessrestaurants. Aber eben so, wie man heute nicht mehr nach Italien fahren muss, um in den Genuss eines wirklich guten Rotweins zu kommen, braucht man auch keine Poollandschaft, um Wohlsein zu erlangen, denn Wohlsein gibt es aus der Flasche, und es bleibt ein Rätsel, warum mir das erst jetzt auffällt.

La Mer, diese französische Kosmetikmarke, zu deren Namen ich immer sofort das herrlichste aller Ferienlieder von Chales Trénet anstimmen muss, hat gerade solch ein Wohlsein aus der Flasche auf den Markt gebracht: ein Körperöl namens l’huile régénérante. Es ist sonnengelb und riecht nach Pinienwald, Zitrone und Meersalz. “Wo geht’s hier zum Strand?” möchte man gleich fragen, wenn einem dieser Duft in die Nase steigt. Man kann ein paar Tropfen von dem Öl in die Haare, auf ausgetrocknete Beine, Arme, Hände oder Ellenbogen geben, es als Parfum tragen oder sich nach dem Baden damit einreiben – übrigens noch so eine Tätigkeit, die ich nach langer Zeit der Ablehnung endlich für mich entdeckt habe (denn die Badewanne ist handy- und computerfreies Gebiet und damit der einzige Ort, an dem man mal in Ruhe ein Buch lesen kann). Weil eine Flasche l’huile régénérante so viel kostet wie eine Übernachtung in einem Wellnesshotel (aber natürlich viel, viel länger hält!), belasse ich es vorerst dabei, mit geschlossenen Augen am Flakon zu riechen. Und in meinem schmucklosen Badezimmer strahlt es so hell und schön wie ein honigfarbenes Bernsteinjuwel.

Das La Mer l’huile régénérante kostet 180 € und ist in Parfümerien und online erhältlich. 

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– In Kooperation mit La Mer –