Gestrickt fürs Leben

BESTER FREUND IM KLEIDERSCHRANK: DER WOLLPULLOVER

Kleider sind wie Menschen. Es gibt sie in allen Facetten und Variationen, extrovertiert oder schüchtern, warmherzig oder kantig, oberflächlich oder bodenständig. Das Kleine Schwarze ist charmant und resolut zugleich, es weiß genau, was es will. Der Trenchcoat ist freundlich, aber bedächtig, er denkt erst, bevor er redet, und sagt dann immer etwas Intelligentes. Die Patchwork-Handtasche mit pinkfarbenem Fellbommel plappert am laufenden Band und will nie stillsitzen, man kann mit ihr immer Spaß haben, auch wenn sie manchmal ziemlich albern sein kann. Die Pelzstola trinkt schweren Rotwein, neigt zu Melancholie und redet am liebsten über sich. Der Faltenrock ist Perfektionist und Kontrollfreak, entpuppt sich in lockeren Momenten aber als lustiger Geselle. Die Schlaghose ist eigensinnig und feiert gern, das weiße Spitzenkleid liebenswürdig und fürsorglich, und die Lederjacke sowieso das coolste Pferd im Stall. Der Wollpullover aber ist ein spezieller Fall.

Er ist ein bisschen undurchschaubar. Dabei glauben wir alle, wir würden ihn kennen, doch das stimmt nicht. Wir denken, der Wollpullover sei nett und langweilig, wie ein freundlicher Zeitgenosse, mit dem man gut Kaffee trinken oder für die Matheklausur lernen kann, während man für die wirklich wichtigen Sachen im Leben, wie Business-Termin oder die Party am Samstagabend, lieber seine coolen Freunde anruft. Mit der Zeit aber stellen wir fest, dass es eigentlich wirklich mehr als nett ist, mit dem Wollpullover abzuhängen. Der hat doch mehr zu sagen, als wir dachten. Neulich auf der Couch, als wir echt keine Lust hatten, vor die Tür zu gehen, und das, obwohl Freitag war, da sagte der Wollpullover: komm, steh auf, Du kannst mich anbehalten, lass doch das trägerlose Chiffon-Oberteil zuhause, das ist sowieso immer kompliziert und launisch und haut einfach ab, wenn es keine Lust mehr hat. Außerdem seh‘ ich auch gut aus, bin handgestrickt und zwar aus 100% Schafshaar!

Einfach abhauen, sowas würde der Wollpullover nie machen. Der Wollpullover, das merken wir nach einer Weile, ist ein richtig guter Freund. Er ist nicht nur warmherzig und loyal, sondern auch erstaunlich vielseitig und tiefgründig. Mit einem richtig guten Wollpullover kann man nicht nur auf dem Sofa liegen, sondern auch Schach spielen, ins Restaurant gehen, einen winterlichen Waldspaziergang machen, im Strandkorb sitzen oder über die 5th Avenue flanieren. Er ist flexibel, versteht sich mit Jeans wie mit Seidenrock und Overknees gut und ist dabei doch alles andere als einfach gestrickt – denn so einen Wollpullover findet man nicht an jeder Straßenecke. Dort hängen nur die aus Acryl rum.

Dieser hier ist aus hundert Prozent Kaschmir, entworfen von Iris von Arnim, der deutschen Luxusstrickdesignerin. Außer Pullovern macht sie auch noch andere feine Sachen, herrlich flauschige Schals, geometrisch gemusterte Ponchos und militärgrüne Ledermäntel zum Beispiel. Wer meint, die Marke Iris von Arnim sei nur was für cremefarbene Millionärsgattinnen aus Düsseldorf, der hat wohl noch nicht in einem ihrer Kaschmirpullover in einer New Yorker Telefonzelle gestanden. Dort macht sich die noble Wolle nämlich ebenso gut wie unterm mondänen Triumphbogen auf dem Washington Square. So ist das mit besten Freunden: man kann mit ihnen Pferde stehlen oder ins Klavierkonzert gehen. Und wenn man einmal einen gefunden hat, dann behält man ihn fürs Leben.

Kaschmirpullover, Seidenrock und Wollschal von Iris von ArnimStiefel von H&M. Alle Bilder: Phoebe Boosalis.

– In Kooperation mit Iris von Arnim –