Musikrubrik #37: Zum Abheben

FLIGHT FACILITIES MACHEN MUSIK FÜR ÜBER DEN WOLKEN


Flugreisen sind ja so oder so schon mal eine tolle Sache. Noch galaktischer finde ich den Lufttransport, wenn das Flugzeug über die Treppe betreten wird. Gangways sind doch doof. Über eine Treppe kann man dem blechernen Vogel viel würdevoller entgegen schreiten, sich dann oben vor Betreten der Kabine gemächlich umdrehen und mit einer pastoralen Handbewegung dem Volk zuwinken. Das Einsteigen über die flugzeugeigene Metallleiter ist mein persönlicher Staatsoberhaupt-Moment. Ich fühle mich dann wie Präsident Obama, selbst wenn mir kein Volk zujubelt, sondern bloß ein paar Männer in gelben Westen misstrauisch gucken, weil ich ihnen gerade staatsoberhauptliche Kusshände zuwerfe. Aber das ist mir egal. Ich betrachte mein Leben als Film, in dem ich Regisseur und Schauspieler sein darf. Wenn mir danach ist, ein Staatsoberhaupt beim Betreten einer Boeing 747 zu spielen, dann tue ich das.

Zu einem tollen Film, der mein Leben atmosphärisch so vielschichtig wie möglich abbildet, gehört natürlich auch der richtige Soundtrack. Ich habe für jede denkbare Szene immer die passende Musik im Handgepäck dabei. Es gibt Leute, die mich dafür verurteilen, weil sie finden, dass man mit Kopfhörern im Ohr die Welt nicht so wahrnimmt, wie sie wirklich ist. Blödsinn, kann ich dazu nur sagen. Musik wurde doch erfunden, um die Stimmung einer bestimmten Situation in besonderer Weise zu betonen. Zu solchen Situationen zählen auch und gerade transitorisch-emotionale Momente wie das Antreten einer Flugreise; jener Moment, wenn man kerzengerade, mit wehendem Haar und entschlossenem Schritt die Flugzeugtreppe erklimmt, dann, wenn die Maschine anrollt, die Sicherheitshinweise mehrsprachig angekündigt werden, weil man nun auf dem Weg von einem Kontinent zum nächsten ist, von einer Welt in die andere, raus aus dem Lokalen, rein ins Universum.  Ich habe keine Ahnung, wieso Flugzeuge fliegen können, mit mir und Physik ist es hoffnungslos, aber wahrscheinlich ist das sogar gut so: denn in meiner Unwissenheit bleibt das Fliegen für mich eine einzigartige Sensation. Ich staune jedes Mal, wenn ein Flugzeug wirklich abhebt. Zauberei. Und wie könnte man solch einen dramatischen Moment ohne die passende Musik erleben?

Hier kommen die Flight Facilities ins Spiel. Das Produzentenduo aus Trinidad und Tobago macht seit 2009 feinste Soundtracks für Über den Wolken: eine heitere Klangmischung aus Old-School-Disco, Electronic und Indie Pop, in genau dem richtigen Maße euphorisierend, dynamisch und emotional stimulierend. Musik zum Abheben. Das neue Album, passenderweise Down to Earth getauft, gehört zu den wenigen Platten, die man sich tatsächlich von A bis Z anhören kann, ohne nach der Hälfte einzuschlafen. Stattdessen steckt man es sich am besten beim Betreten einer Boeing 747 auf dem Weg nach Los Angeles in die Ohren. Hoffentlich darf man über die Treppe einsteigen. Winken nicht vergessen.